Leserbrief zur Dauerausstellung im Heimatmuseum

Von Thomas

Das Heimatmuseum in Kloster zeigt in einer Dauerausstellung anschaulich  das Leben auf der Insel zu den Themen wie Fischerei, Seefahrt, Klostergeschichte, Alltagsleben, Tourismus, Künstlerkolonie etc.

Auch wird in der Ausstellung das Leben zu Zeiten des Dritten Reiches thematisiert.

Hierzu gibt es einen Leserbrief von Andrea Bier aus Berlin:

Im Oktober dieses Jahres verbrachte ich einmal mehr eine Woche auf der Insel. Als kulturell und politisch-historisch interessierter Mensch, der sich insbesondere mit der Zeit des Nationalsozialismus’ im Allgemeinen und speziell auf Hiddensee befasst, besuchte ich zielgerichtet nach langer Zeit wieder einmal das Heimatmuseum.

Unter der Rubrik „Tourismus“ bzw. unter dem Titel „Juden sind hier nicht erwünscht“ – „Diskriminierung jüdischer Gäste“ wird zunächst auf die bereits 1922 beginnende Ausgrenzung derselben verwiesen.

Dann folgen allerdings zwei Sätze, die, im Zusammenhang gelesen, eine ambivalente Interpretation zulassen: „….Im Juli 1938 beschlossen die Gemeinden von Kloster und Vitte eine „Ortssatzung über die Ausschließung jüdischer Kurgäste von Badeeinrichtungen. Trotz der Ausschließung der Juden stiegen die Gästezahlen im Ostseebad weiter an.“

Den zweiten Satz empfinde ich als missglückt in der Formulierung. Es klingt recht lapidar bzw. so, als ob es ja nicht weiter schlimm war mit der „Ausschließung“, denn die Gästezahlen stiegen weiter an.

Wenn dort schon nur der Tourismus betrachtet wird, dann hätte man das ausführlicher darstellen müssen, wie es beispielsweise Manfred Faust in seinem Buch „Hiddensee – Die Geschichte einer Insel“ im Kapitel 9.4. macht. Dadurch lassen sich missverständliche Interpretationen verhindern.

Außerdem sollte das auf dem Boden selbiger Vitrine liegende Holzschild mit der Aufschrift „Judenfrei“ an exponierter, das heißt an gut sichtbarer Stelle angebracht werden.

 Im Jahre 2012 sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die Zeit des Nationalsozialismus’ auf der Insel ausführlich, differenziert und von mehreren Gesichtspunkten betrachtet, in einem Heimatmuseum darzustellen.

Die Bücher von Owe Gustavs („Reichsgottesdienst“), Manfred Faust (siehe oben) , Frank Bajohr („Unser Hotel ist judenfrei“) , die Geschichte von Adolf Reichwein oder die der Stolpersteine auf der Insel bieten sicher eine gute, das heißt dokumentarisch erfasste, Grundlage.

Jeder, der die Insel wirklich liebt und immer wieder gern dorthin kommt, wird es als Ausdruck von Souveränität und Selbstbewusstsein im Umgang mit einem schwierigen und schmerzlichen Kapitel der Inselgeschichte verstehen, wenn sich in einem Heimatmuseum nach so langer Zeit eine offene und öffentliche Darstellung der Zeit des Nationalsozialismus’ wieder findet.